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Kaffee und Film
(Film & Fernsehen)
 
Wenn’s ihn nicht schon gäbe, spätestens für das Kino hätte man den Kaffee erfinden müssen: Weil wir am Liebsten kaffeetrinkend Privates, Geschäftliches, Triviales und Staatsgeschäfte ausmachen – sei es zuhause oder in einem Café.
Kaffee entspannt nicht nur, er regt uns auch geistig an. So sind wir in der Lage, unsere Scheidungspapiere zu unterzeichnen (Paris, je t’aime) oder Banküberfälle zu planen (Reservoir Dogs). Die erste filmische Liebe, die signifikant auf die Existenz eines Cafés zurückgeführt werden muss, finden wir in einem Stummfilm: Le petit Café von 1919. Später eroberte Disney das Woodland Café als musicaltaugliche Bühne; Don Fenucci bewies in The Godfather, Part II, das Espressoschlürfen auch gruselige Qualität hat, und Ripley bewahrt ihre kaltblütige Art in Aliens nur dank enormen Kaffeekonsums.
Wie sehr die Cafés der unpersönlichen, auf Funktion reduzierten Großstädte zu den Ausläufern unserer Wohnzimmer werden, beweist Woody Allen, indem er Michael Murphy und Diane Keaton in Manhattan sich zum Schlussmachen in einem Café treffen lässt – kein Ort ist intimer, kein Ort ist öffentlicher.
Auch jenseits der großen Betonwüsten beweist das schwarze Gebräu besondere Qualitäten: Ein kaffeetrinkender Cowboy ist ganz introvertiert; eigentlich meditiert er: Im Western ist Kaffee fast philosophisch. Wer ihn trinkt, ist für einen Moment aus der Welt entrückt; gegen feindliche Kugeln immun. Traditionell wurde im Western gerne geraucht – in erster Linie, weil man das auch bequem vom Pferd aus machen kann. Seit die Western elegischer werden (Erbarmungslos, Open Range), nimmt man sicher mehr Zeit und muss auch nicht mehr ständig auf den Gäulen sitzen. Spätestens seit Brokeback Mountain hat die dampfende Tasse vor frühmorgendlich-vernebelter Gebirgskulisse dem rauchenden Stummel im Mundwinkel den Rang abgelaufen. Da die Kaffee-Zubereitung über dem Lagerfeuer sich in einem besonderen Aroma niederschlägt, ist dem Western dass Am-Leben-Erhalten einer kulinarischen Leiche, des Räucherkaffees, zu verdanken.
 

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