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Aus dem Tagebuch eines „Routensetzers“
(Sport & Fitness)
 

Die Angst eines Kletter-Profis auf dem Boden

Mittwoch 16 Uhr Anreise. Die Kletterwand ist abgeräumt. Die Griffe liegen frisch gewaschen nach Farben sortiert unterm Überhang. Heute will ich noch eine Finalroute schrauben. Die schweren Teile zuerst. Ganz nach Plan gelingen mir sogar noch 2 Finalrouten. Eine Herausforderung, da die Teilnehmer vom Niveau her unterschiedlicher nicht sein können. Quasi Kletter-Profis mit Hobbykletterern zusammen.

Donnerstagmorgen beginne ich gleich mit Klettern. Ich probiere meine beiden Routen aus und stelle fest, dass diese gelungen sind. Als nächstes erstelle ich einen Plan, wo alle Qualifikationsrouten, 16 an der Zahl, ihren Platz erhalten und wie schwer sie werden sollen. Bald stehe ich schon wieder am Kran und schraube wie wild Leisten, Aufleger, Löcher und sogar Henkel in den genialsten Kombinationen an die Wand. Ich stelle fest dass es schon wieder gegen Abend ist. Die Wand ist schon wieder bunt bestückt. Heute kann ich nichts mehr klettern – ich bin müde.

Freitag ist Klettertag. Alle Routen werden nochmal ausprobiert und Kleinigkeiten ausgebessert. Ich teste das Herren-Finale. Es soll die schwierigste Route und das Highlight des morgigen Abends werden. Das viele Klettertraining hat sich ausgezahlt – ich schaffe die Route und bekomme leichte Bedenken, ob es nicht etwas zu leicht ist, ändere aber nichts mehr. Wieder ist die Zeit im Nu verflogen, und geschafft vom anstrengenden Tag gönne ich mir heute ein kleines Bier.

Da der Bewerb erst um 14 Uhr beginnt, habe ich Samstagvormittag noch Zeit, die Feinarbeiten zu machen: Routen beschildern, Ausstiege und Zonen markieren, Zwischensicherungen überprüfen und sogar zum Klettern bleibt noch Zeit.

Bevor es endlich losgeht, husche ich noch unter die Dusche. Der Arbeitsschweiß klebt mir förmlich am Leib.

Nach und nach treffen die Teilnehmer ein und ich werde immer nervöser. Habe ich die richtigen Schwierigkeiten getroffen? Ist für alle etwas dabei? Kann ich die Gruppen schön selektieren?

Nach den Ausscheidungen habe ich schon eine Reihung. Kein einziges ex aequo. Da kann ich schon einen kleinen Luftsprung machen.

Nur noch das Finale. Extrem spannend schrauben sich die Kletterer einer nach dem anderen die jeweilige Finaltour hoch. Im besten Falle für den Routensetzer klettert nur einer bis zum obersten Top. Und, ach wie wunderbar, trifft dies genau ein. Zum Schluss kommen noch die Hobbykletterer. Der erste sieht etwas müde aus und kippt bald heraus. Habe ich die Route vielleicht doch zu schwer gesetzt? Der nächste kommt ein Stück weiter und der nächste noch ein Stück. Das geht so bis zum letzten Starter, der schließlich den letzten Griff erreicht und einen würdigen Sieger abgibt.

Ich fühle mich jetzt auch ein wenig wie ein Sieger, da alles genial gelaufen ist und alle zufrieden sind. Heute gibt es für mich Freibier und die Party kann starten.

Autor: Klaus Hausl


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